Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Weil du es dir wert bist …

Kein aufgeklärter Mensch würde heute öffentlich behaupten, ein Mensch sei soviel Wert, wie die Kleidung, die er trägt, das Auto, das er fährt oder die Zahlen, die sich auf dem Kontoauszug ablesen lassen. Vom philosophischen Ansatz her ist jeder Mensch gleich viel wert. Doch wenn unsere Urinstinkte ins Spiel kommen - und wir können unser Menschsein nicht leugnen - dann stufen wir selbst andere nach ihrem mehr oder weniger offensichtlichem Wert ein. Es muss sich dabei überhaupt nicht um finanzielle Aspekte handeln. Und nicht jede Frau, die eine hohe Position in ihrer Gruppe einnimmt, trägt automatisch die teuerste Kleidung. Es spricht uns aber unterbewusst an, wenn eine Person - egal welchen Geschlechts - sich selbst als kostbar wahrnimmt und somit auch als wertvoll und bedeutend von anderen wahrgenommen wird.

Model in schwarzem Oberteil

Nicht umsonst lockt die Werbung mit schönen Bildern, mit Hoffnungen auf Luxus, Lebensfreude und vor allem Sex zum Kauf bestimmter Dinge. Wer Zeit und die Mittel hat, sich zu pflegen und in seiner äußeren Erscheinung auszudrücken, wer er ist, der gilt unterbewusst als attraktiv. Unsere tiefsten Instinkte sagen uns, dass ein Mensch, der sich um sein Äußeres kümmert, eine gewisse Stärke und Sicherheit im Leben gefunden hat.

Waren es früher Hungersnöte und Stammeskonflikte, die von der Entwicklung der Kunst, des Genusses und der Selbstentfaltung abhielten, so sind es heute übermäßiger Stress, Selbstwertprobleme, Kummer oder Not und Armut, die dem Menschen keine Energie dafür lassen, sich um sich selbst, um Gesundheit, um Mode oder im Endeffekt eben um den besten Partner und die höchste mögliche gesellschaftliche Stellung zu kümmern.

Die Ziele, den „besten“ Partner und die „beste“ soziale Rolle zu erlangen, sind immer vorhanden, aber zum Glück unterscheiden sie sich von Person zu Person. Sonst würden alle Menschen der Welt um einen bestimmten Partner und eine spezielle Position kämpfen. Auch, wenn die Welt immer weiter vernetzt wird und sich die Grenzen der Kommunikation extrem geweitet haben, dreht sich das Leben und das Streben nach Anerkennung und Macht stets um die eigenen kleinen Gruppen, denen man zugehört.

Für einen Sportler ist vielleicht eher die sportlichste, gepflegte Frau die „beste“ Partnerin, während ein Börsenmakler wohl eher nach einer Partnerin sucht, die sich als intelligent und raffiniert erweist, um diesen Umstand einmal grob zu umschreiben. In einer Schulklasse, die aus vielen Kindern besteht, die beispielsweise allesamt die Kultur des HipHop als „cool“ ansehen, wird wahrscheinlich der oder die „Coolste“ einen gewaltigen Vorsprung haben. Hier wären dann diejenigen die Attraktivsten, die die einzigartigsten Hosen tragen, die sich als besonders locker und vielleicht frech darstellen.