Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Stillschweigende Übereinkunft

Der Dresscode ist wohl heute nicht mehr ganz so streng aufzufassen, wie Herr Knigge es sich gewünscht hätte, aber er ist dennoch präsent und erfüllt auch besondere Zwecke. Es ist immer noch nicht angemessen, zu besonderen Anlässen etwa in der Küchenschürze oder im Sportgewand aufzutreten. Und so sehr auch Individualität hoch gepriesen wird, ist es immer wieder hilreich zu wissen, welches Outfit erwartet wird. Individuell kann man heute jeden Dresscode gestalten - die Möglichkeiten durch Schnitte, Materialien und Accessoires sind beinahe unbegrenzt.

Männerhemden

Dresscodes sind kein Gesetz, sie sind aber eine gute Richtlinie. Es hat einen Grund, warum von manchen Menschen und auf Veranstaltungen erwartet werden darf, sich einem Dresscode entsprechend zu kleiden. So etwas wie eine stillschweigende Übereinkunft besagt diese Dresscodes, wenn sie nicht sowieso auf der Einladung erwähnt oder im Arbeitsvertrag geregelt werden.

Wir alle wissen was gemeint ist: Anzug und Abendkleid werden bei der Vernissage oder auf einem Ball einfach erwartet. Genau wie die feierliche Kleidung, die bei traditionellen Anlässen wie einer Taufe, einer Hochzeit oder einem Bankett getragen wird. Aber auch Schulen verlangen oft eine Kleiderordnung - Freizügigkeit ist nicht immer angebracht.

Dass Religionen, Länder, Zünfte und Branchen verschieden strenge Regeln der Kleiderwahl auferlegen, kann man ebenso als Dresscode bezeichnen, obwohl dieser Ausdruck eher in Bezug auf oben erwähnte gesellschaftliche Ereignisse verwendet wird. Gerade aber bei Religionen treten die Dresscodes stark zutage. So gibt es viele Trachten, also traditionelle Gewänder, die nur zu bestimmten religiösen Feierlichkeiten getragen werden sollen oder gar dürfen, es gilt allerseits als verpönt, solche Bekleidungen zu anderen Anlässen als den für sie bestimmten zu tragen oder gar als Angehöriger einer anderen Religion diese Kleidungsstücke anzulegen. Die Religion birgt einen der strengsten Dresscodes überhaupt.

Es gibt allerdings auch einen Dresscode, der nicht so offensichtlich bestimmt wird. Unbewusst oder nur aus Erfahrung her wird die Position in der Hierarchie der Gesellschaft optisch ausgedrückt und es besteht eine Hemmung, sich entgegen dieser sozialen Stellung zu kleiden. Es wird als unauthentisch angesehen, sich über diese ungeschriebenen Gesetze hinwegzusetzen. Und hier gilt, ganz unüblich in Sachen Mode, mehr für die Männer als für die Frauen. Es ist nicht gern gesehen, wenn etwa der Assistent besser gekleidet ist als der Geschäftsführer, als Beispiel für den Dresscode unserer Gesellschaft.

Mode ist ein Mittel der Macht und es bringt keine positiven Reaktionen, sich als mächtiger hinzustellen, als man ist. Ebenso gilt diese Maxime aber auch umgekehrt - ein Manager wird eben umgekehrt schnell unseriös, wenn er in legerer Mode auftritt.