Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Mit den Zeiten ändern sich auch die Proportionen

Schönheitsideale bestimmen unser Leben mehr als wir meinen. Wenn die einen behaupten, die heutigen Schönheitsideale stammen von Instinkten aus der Urzeit, als Frauen möglichst schlank sein sollten, da sie sich in Notzeiten auch mit wenig Nahrung zufrieden geben mussten und Männer besonders groß und stark sein sollten, da sie hauptsächlich auf der Jagd sein mussten, sagen die anderen, das stimmt nur bedingt.

Model

Unser Schönheitsideal ist wie die Mode dem Wandel der Zeiten unterworfen. Und ebenso könnte man gegen unser gängiges Schönheitsideal in Bezug auf die Anfänge der Menschheit argumentieren: Frauen sollten ja auch möglichst gebärfreudig sein und daher eine besonders breite Hüfte aufweisen. Sie sollten länger ohne Nahrung auskommen und der Kälte trotzen können, wobei eine dicke Fettschicht am besten helfen würde. Männer sollten schnell laufen können, andererseits wurden die besten Jäger auch stets mit dem größten Teil der kalorienreichen Beute belohnt, was sicherlich eher träge machte.

Wie dem auch sei - wir können es nicht mehr überprüfen. Aber ein Rückblick auf die Geschichte der Schönheitsideale bringt auf jeden Fall Kenntnis über die Wandelbarkeit derselben.

Der schlanke Körper, wie er auch heute wieder hoch gepriesen wird, war schon in der klassischen Antike die Idealvorstellung des menschlichen Anblickes. Jedoch nicht ganz so extrem wie heute, denn offensichtlich magersüchtiges Erscheinen wurde nicht gerne gesehen. Interessanterweise sollte die weibliche Brust besonders klein sein. Schon damals wurde empfohlen, nicht nur besonders viel, sondern extrem viel Sport zu treiben, und besonders wenig zu essen, sollten sich ein paar Fettpolster mehr angesetzt haben. Dieser aus Sparta stammende Rat beschreibt die berühmte „spartanische Lebensweise“. Weniger war nicht nur bei Mahlzeiten und Schönheitsidealen mehr - auch die Gebäude gefielen nur besonders schlicht und bescheiden.

Die Zeit der Minnesänger, der Ritter und der großen Feldzüge im Namen der christlichen Kirche veränderte die Schönheitsideale tief greifend. Denn die Machtzunahme der Kirche bewirkte einen großen Rückzug, eine Hemmung in Sachen Körperlichkeit, die ganz im Gegensatz zur Maxime des Altertums stand, das Körper und Geist eins seien und beide in Form gehalten werden sollten. Die Kirche verbot es den - wie es die gerade zu dieser Zeit entstehende hohe Minne besang – schönen, reinen Frauen, sich zu schmücken und überhaupt das Aussehen in den Mittelpunkt zu stellen.

Gepflegt sollte man dennoch sein. Im Spätmittelalter durfte man nur noch möglichst unauffällig auftreten. Ein heute kaum noch nachvollziehbares Schönheitsideal - die Bescheidenheit.

Genauso schwer begreifbar war auch das Zeichen der absoluten Schönheit: ein gewölbter Bauch bei einer an sich sonst sehr zarten Figur. Blond gelocktes Haar galt bei Männern wie bei Frauen als Zeichen des hellen, heiteren Lebens, der typische Edelmann trug sein Haar so.