Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Gut gekleidet in die Zukunft - Nanopartikel statt Polymere bestimmen den Weg!

Im neuen Jahrtausend sollen Kleidungsstücke ihren Träger nicht nur passiv durch einen guten Tragekomfort oder Bügelfreiheit begleiten, sondern zum aktiven Bestandteil werden. Durch die Integration von elektronischen Bauteilen werden T-Shirt und Co. zum intelligenten und interaktiven Begleiter. Leitfähige Garne ermöglichen diese und viele zukünftige Innovationen.

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Was selbst uns Zeitzeugen und sogar den modisch und technisch versierten Personen unter uns wie ferne Zukunftsvisionen erscheint, ist bereits Realität in den Forschungslabors. Die Materialien unserer Zukunft sind dehnbar, knickbeständig, trotz elektrischer Leitfähigkeit waschbar und für die Verarbeitung in herkömmlichen Textilmaschinen geeignet. Strom- und Datenleiter lassen sich aus ihnen ebenso herstellen wie Sensoren, Elektroden oder Leuchttextilien.

Wenn man sich die Entwicklung der Textilverarbeitung im letzten Jahrhundert ansieht, wird klar, dass auch damals den Normalverbrauchern die Neuerungen wie Zukunftsmusik erschienen wären, hätte man sie einige Jahre zuvor darüber informiert. Doch inzwischen wurden diese neuen Fasern erprobt. So lassen sich etwa Radio Frequency Identification Chips (RFID) unter dem Teppichboden anbringen, die Reinigungsroboter steuern. Bald machen intelligente Mikrochips unseren Bodenbelag zum Einbruchsschutz und diese Mikrochips können problemlos auch in unsere Bekleidung eingebaut werden.

Heute wird verstärkt im Bereich der Nanotechnologie geforscht. Das Schlagwort „Nano“, ein griechischer Begriff für „Zwerg“, wird uns in Zukunft immer öfter begegnen. Ein Nanometer ist eine sehr kleine Einheit, im Verhältnis zu ein Meter verhält sich ein Nanometer wie der Durchmesser der Erde zu dem einer Haselnuss. Nanopartikel sind ihrer Natur und ihrem Namen nach sehr klein, darin liegt auch das Geheimnis, das sich die Wissenschafter immer mehr zu Nutzen zu machen lernen. Unterhalb einer gewissen Größe verändern Werkstoffe ihre Eigenschaften oft gravierend und daher eröffnen sie den Forschern völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. Nanoskalige Elemente können neue Eigenschaften in Materialien hervorrufen, ohne aber wichtige andere Eigenschaften, wie Atmungsaktivität und Hautverträglichkeit bei den Textilien, dabei zu beeinflussen.

Ein weiterer Aspekt, der bei der Textilverarbeitung nicht außen vor gelassen darf, ist die Erzeugung der Farbstoffe, die am Ende in der Faser und somit auf der Haut des Trägers und der Trägerin der Stoffe landen. Bis zum 19. Jahrhundert wurden ausschließlich natürliche Farbstoffe wie Ocker oder Indigo verwendet. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entschlüsselte ein deutscher Chemiker den Reaktionsmechanismus, mit dem sich aus Bestandteilen des Einkohleteers die so genannten Anilinfarben herstellen lassen und legte damit den Grundstein für die Chemieindustrie.

Doch wie bei der Herstellung der Polyamid-Fasern aus dem Rohstoff Öl, so wird auch hier die Forschung neue Verfahren finden müssen, die diese ohnehin schon zu stark verbrauchten Rohstoffe zu schonen. Auch hier werden immer unglaublichere Methoden realisierbar gemacht, die Gesundheit der Umwelt und auch die des Trägers der Materialien stehen dabei im Mittelpunkt der Forschungen, die nachhaltig schonend sein sollen. Umweltschutz bedeutet in diesem Fall also weniger eine Rückkehr zur Natur, als ein Vorwagen in die komplette Synthetisierung.