Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Selbstausdruck braucht manchmal sehr viel Mut

Mode hat neben dem materiellen Wert auch einen sozialen - am Wichtigsten ist aber der persönliche. Den Wert, den man sich selbst zuschreibt, kann man teilweise an der Kleidung, besser gesagt der gesamten äußerlichen Erscheinung ablesen - aber nie zur Gänze. Es gibt auch keine feste Richtlinie mehr, die uns sagt: Wer dieses oder jenes trägt, ist der Wichtigste und Stärkste.

selbstbewusste Kleidermode

Auch der Preis der Kleidung sagt noch nichts über den Träger aus. So mag es für die Eine einen wahren Zuwachs an Selbstwertgefühl, Mut und Individualität bedeuten, wenn sie sich trotz einer streng auf das Äußerliche und „das, was die anderen denken“ bedachten Erziehung plötzlich auch dann noch wohl fühlt, wenn sie sich ohne besondere Aufmachung zeigt. Ein anderer wiederum streift die Fesseln der Gewohnheiten ab, die ihn klein gehalten haben, erkennt seinen Wert und drückt dies in eleganterer Kleidung aus.

Für viele Menschen bedeutet es auch einen großen, mutigen Schritt, sich sexuell anziehend zu präsentieren. Vor allem das persönliche Umfeld reagiert nicht selten negativ auf Veränderungen. Denn wenn sich ein Mensch verändert und lernt, sich abzugrenzen, dann kommt das soziale Gefüge in Gefahr. Das ist der Grund, warum viele Menschen sich nicht trauen, mehr aus sich zu machen und das Beste anzustreben. Und darum ist es auch ein Indikator für ein wachsendes Selbstwertgefühl, wenn ein Mensch seinen Kleidungsstil bewusst verändert. Das bedeutet nämlich, dass dieser dazu bereit ist, auch Erwartungen anderer zu enttäuschen oder sich Kritik zu stellen, wenn es ihn wachsen lässt.

Die Kleidung, die Frisur, den Schmuck und anderes zu ändern, stellt unterbewusst eine Bedrohung für unsere Mitmenschen dar. Jeder ist an Sicherheit orientiert und wenn eine Person plötzlich Veränderungen bewirkt, dann fürchten viele um die alten Gewohnheiten, auf die sie sich verlassen haben. Auch Neid und Konkurrenzdenken erwachsen in so einigen, wenn jemand anderes überraschenderweise seine Attraktivität erhöht. Die eingespielten Rollen werden überholt.

Aber nicht immer sind es zerstörerische Einflüsse, die im Bekanntenkreis geweckt werden. Viele packt unbewusst die Angst, den anderen Menschen zu verlieren. Darum könnten die guten Freunde des Fußballkumpels auch ganz schön gemein sein, wenn er sich plötzlich mit seiner Frau auf Gala-Dinnern und für einen neuen Job in Hemd und Krawatte zeigen möchte. Der Druck der Menschen um uns kann hoch werden. Wer ihm innerlich schon gewachsen ist, der hat aber sowieso eine gewisse Ausstrahlung erlangt, die bewirkt, dass eine Verbesserung oder sogar sichtbare „Erhöhung des Status“ auch im Umfeld als passend, und somit nicht als unerwartet und gefährlich empfunden wird.