Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Magerwahn macht heute chic

Was Twiggy in den 60er-Jahren begann, setzte der Magerwahn in den 90er-Jahren fort. So sehr, dass Diskussionen über die Gesundheit heute den Alltag bestimmen. Aber genauso sehr stehen auch die Themen Fettabsaugungen, Schönheitsoperationen und Implantate im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Dick und dünn

Inzwischen wird beinahe künstlich versucht, einen Gegentrend zu erzeugen, indem immer öfter „dicke“ und „normale“ Models auf den internationalen Laufstegen und in Katalogen zu sehen sind. Allerdings spürt man, dass das nicht dem Geschmack der Designer entspringt, sondern durch den Druck, den die Medien auf die Magersucht verherrlichende Modewelt ausüben. Diese Bestrebungen werden aber zunichte gemacht, indem Fernsehen, Kino und Zeitschriften das Schönheitsideal des Superschlank-Seins aufrechterhalten.

Die „Normalsterblichen“ sind natürlich nicht alle gertenschlank, aber im kollektiven Unbewussten bleibt stark verankert, dass dünne Menschen erfolgreicher und schöner sind, als solche, die sich angeblich schon gehen lassen, weil sie keinen zwanghaften Körperkult betreiben. Im Großen und Ganzen darf man behaupten, ein schlanker Körper, der aus gesunder Ernährung und viel Sport geformt ist, ist schön anzusehen. Dass Frauen und Männer, Mädchen und Jungen sich nicht entspannen können, wenn sie zu weit von dem Ideal, das Fernsehen und Zeitschriften übermitteln, entfernt sind, ist sicherlich bedenklich.

Dieser Trend zur gertenschlanken Modelfigur spielt sich weltweit ab. Zwar wird dieses westliche, durch Medien weiter getragene Bild vom perfekten Körper, auch in den östlichen Regionen der Welt immer stärker als Ideal angenommen. Dennoch ergaben Studien, dass weltweit immer noch in mehr als der Hälfte aller untersuchten Kulturkreise eher dickere Frauen als begehrenswert gelten. Ein Drittel aller Kulturen erklärt das Mittelmaß als attraktiv, nur in 20 Prozent der weltweiten Ansicht sind dünne Körper die schönsten. Auch beim westlichen Schönheitsideal gibt es Abweichungen.

Schon immer, wie die Geschichte der Schönheitsideale beweist, wurde Fett in Zeiten des Mangels, der Not zum erstrebenswerten Ideal, andererseits in Zeiten des Überflusses die schlanke Silhouette. Denn wenn Überfluss herrscht, ist Bescheidenheit die Zier, dann wird Fettleibigkeit und nachlässiges Aussehen als Zeichen der Faulheit und Disziplinlosigkeit gewertet.