Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Den Körper verhüllen, den Körper betonen

Der Anstand diktiert so einiges, aber auch das ganz natürliche Schamgefühl spielt eine große Rolle in Sachen Bekleidung und Auftritt in der Öffentlichkeit. Doch wie weit reicht es, wann beginnt der anerzogene Anstand sich geltend zu machen und wann ist dieser vielleicht übertrieben? Unsere heutige Zeit wirft viele Fragen in dieser Richtung auf.

Frau in engem Kleid

Wir leben zwischen Plakaten, auf denen Supermodels ihre umwerfenden Körper präsentieren, zwischen Empörung, wie viel Haut schon gezeigt wird, aber auch Verunsicherung, weil wir nicht zufrieden mit unseren Körpern sind und diese vielleicht sogar mehr verstecken, als man von uns erwarten würden. Wir leben zwischen den Kulturen, zwischen Menschen und Einstellungen. Auf der einen Seite die, die es als verwerflich betrachten, die Haare der Frau zur Schau zu stellen und daneben finden wir das krasse Gegenteil in denen, die den Körperkult so weit vorangetrieben haben, dass es als Zeichen für ein zu geringes Selbstwertgefühl angesehen wird, wenn man nicht in Minirock, Top oder Hot-Pants herumläuft.

Daneben sind all die Bedürfnisse, die wir aufgrund unserer sexuellen Identität als Mann oder Frau haben und die Vorstellungen, die die Sexualität transportiert, in einem Nebel der Erwartungen, Ängste, Hoffnungen unklar geworden. Männer wünschen sich so zum Beispiel, dass die Partnerin zu ihrem Körper und ihren Rundungen steht, Frauen laufen den Schönheitsidealen nach. Dann wiederum tragen Frauen selbstbewusst kurze Kleidchen und werden immer noch schnell als Weibchen abgestempelt. Was denn nun?

Nicht nur von Kultur zu Kultur, schon von Mensch zu Mensch sind die Ansichten zu diesem konfliktreichen Thema verschieden. Gut, den kollektiven Normen unsere Gesellschaft folgen wir, vielleicht unbewusst, wir bedecken, Po, Busen, Geschlechtsteile und so weiter. Aber nicht immer tun wir das, um diese Körperteile zu verstecken. Wir betonen sie auch gleichzeitig. Das ist nicht verwerflich, sollte aber nicht die anderen Aspekte von Kleidung, wie Selbstausdruck und Individualität ablösen.

Doch sich sexy zu kleiden ist keine neumodische Erscheinung einer medienorientierten Kultur - schon bei alten Stämmen in Südafrika gab und gibt es den „Penisfutteral“. Bleiben wir einmal ganz entgegen der Intuition, wenn es um das Thema „Mode und Sex“ geht, bei den männlichen Beispielen. Dieser „Penisfutteral“ ist ein Schutz. Aber auffällig ist, dass er optisch eine Erektion vortäuscht. Das ist sicherlich nicht unbeabsichtigt oder niemandem aufgefallen. Hier sehen wir auch, wie die eher unberührten Kulturen zwar einen Penis verdecken, jedoch nichts Verwerfliches darin sehen, ihn zu betonen.