Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Von der praktischen Neuerung zum Glanzstück der Wissenschaft: die Jeans

Wenn wir bedenken, was wasser- oder sogar kälteabweisende Stoffe an Fortschritten in der Zusammenarbeit verschiedenster Wissenschaften, wie der Chemie, der Physik und auch der Industrie bedeuten, dann wird uns klar, wie sehr wir mit der Verwendung von Textilien als Rohstoff für den Schwerbau die textile Zukunft eingeläutet haben.

Jeans

Genau so musste es nach und nach dem deutschen Einwanderer in Kalifornien, Levi Strauss, wie Schuppen von den Augen gefallen sein, welchen unglaublichen Schritt er gesetzt hatte. Als er 1872 die inzwischen weltberühmte unverwüstliche Arbeitskluft für die Goldgräber Kaliforniens herstellte, ahnte er nicht, damit zum Vater eines Klassikers der Modewelt geworden zu sein – Levi Strauss erfand die Jeans. Die Geburtsstunde dieser Hose, die wohl niemals aus der Mode kommen wird, wurde ebenso wie die heutigen Innovationen ganz einfach aus einer Verbindung von erkannten Bedürfnissen und dem Nutzen aller Stoffe, die vorhanden sind, sowie einer guten Portion Erfindergeist eingeläutet.

Mode ist eben Zukunft und Tradition zugleich, wie sich so oft zeigt. Spätestens dann, wenn unsere Großmütter und Großväter das allseits bekannte „Das ist alles schon einmal da gewesen. Das haben wir in unserer Jugend auch getragen.“ verlauten lassen, sollten wir einen Hinweis auf die Unsterblichkeit der Mode erhalten. Und uns vielleicht sogar einen Gedankenanstoß geben lassen, die modernen Verarbeitungsweisen als das zu sehen, was sie sind - eine qualitative oder aber zeit- und kostensparende Erweiterung des ewig Gleichen.

Wenn es um Mode geht, werden es wohl die Klassiker bleiben, die uns in die Zukunft begleiten. Auch mit einem Blick auf die berühmtesten Modedesigner muss das gesagt sein. Sicherlich ist der Kunst keine Grenze gesetzt. Doch den natürlichen, instinktiven Gefühlen und Bedürfnissen nach Schönheit, Attraktivität und vor allem den allzu menschlichen, fast triebhaften Merkmalen von körperlicher Anziehung in einem gewissen Maße auch. Wohl kaum ein Mann wird von den wiegenden Hüften einer Dame in einem Kostüm aus Plastikdosen oder aus Schuhen, oder womit auch immer die neuen Künstler uns überraschen werden, mehr angezogen sein, als von den Hüften einer Dame, die in sanfte Seidentücher, in Nylon oder in eine schlichten, klassischen Jeans gehüllt ist.

Auch wenn die Betrachtung der Schönheitsideale verschiedener modischer Epochen doch zeigt, dass nicht immer von sich selbst und dem eigenen Geschmack ausgegangen werden darf, so bleiben all die Attribute, die sexuelle Anziehung und Kraft ausmachen, stets im Mittelpunkt der alltäglichen, tatsächlich getragenen und somit auch gekauften Mode.