Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Hauptsache, nicht schlank sein! Die Renaissance diktiert pfundige Figuren

Übersetzt bedeutet Renaissance: Wiederbelebung. Gemeint war früher die Rückkehr zu den Werten der Antike. Und demnach wurden auch schnell sämtliche Einstellungen aus dem Mittelalter in Frage gestellt und mehr noch - sie wurden wieder verworfen. Aus dieser revolutionären Zeit stammt das Schönheitsideal, das wir in der Malerei oft wieder finden. Der Porzellanteint und die möglichst helle Gesichtshaut wurden zum Zeichen der Schönheit - bedeutete es immerhin Vornehmheit und Wohlstand, denn nur die Bauern, die Arbeiter, also die unteren Schichten der Gesellschaft, mussten im Sonnenlicht schuften und waren daher braun gebrannt.

Plus-Size Model

Wer allerdings reich war, der war blass. Die „noble Blässe“ wurde mit allen Mitteln erhalten, und sei es, dass man mit Bleiweiß und Quecksilber nachhalf. Das Schönheitsideal, das uns auf den erhaltenen Bildern vorgestellt wird, hat auch nur mehr wenig mit dem heutigen zu tun: Bauch, Taille und Gesäß sollten möglichst üppig sein, die Arme und Beine hingegen möglichst grazil. Das galt für Männer wie für Frauen. Und wie man sieht, waren alle Verbote, die die Kirche im Mittelalter der Darstellung und Zurschaustellung der Körper auferlegt hatte, vergessen. Ganz zu schweigen von der Bescheidenheit, Luxus und Wohlstand wurden zelebriert und betont.

Der wohlgenährte Körper mit den Proportionen, die um die Körpermitte hin zunahmen, war im Barock noch immer zu schlank. Üppig, korpulent sollte der Körper sein - die berühmte „Rubensfigur“ stellt das beste Beispiel dieser „barocken Lebensweise“ dar. Allerdings wurde streng zwischen dem Auftreten im Privaten und in der Öffentlichkeit getrennt. Zuhause sollten Frauen ihre üppige Weiblichkeit zur Schau stellen, ebenso wie das gekräuselte oder zumindest lockige lange Haar, das uns in Museen von vielen Bildern entgegen lacht.

In der Gesellschaft allerdings sah das erwartete Frauenbild paradoxerweise gänzlich anders aus: Die Haare sollten frisiert, hochgesteckt, gepudert und mit Zierden wie Blumen und Schleifen versehen werden. Erst dann wurden sie als schön empfunden - natürliches, offenes Haar wirkte beinahe abstoßend. Auch Männer bemühten sich um die perfekte Frisur. Als besonders edel und stilvoll galt es, perfekt frisierte Perücken zu tragen.

Frauen griffen erst gegen Ende des Rokoko zu Perücken. Denn es wurde immer mehr toupiert, bis hin zu Höhen, die wir heute als mehr als übertrieben bezeichnen wurden. Irgendwann reichte das eigene Haar der Damen nicht mehr für die ideale Höhe und schwere, riesige Perücken prägten das Frauenbild.

Männer wie Frauen waren stets umgeben von einer Wolke aus Parfum. Man sprühte und verteilte es mehr als großzügig zu jeder Gelegenheit. Schuld trug das hartnäckige Gerücht, dass Bäder gesundheitsschädlich wären.

Später gab es eine lang anhaltende Phase, in der Natürlichkeit gefragt war. Rosige Wangen und beinahe ungeschminkte, aber ausdrucksvolle Augen bestimmten, wer schön war und wer nicht.