Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Durch dick und dünn: der stete Wandel der Schönheitsideale im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert wandelte sich das Schönheitsideal öfter als in der gesamten Zeit zuvor. Eine allgemeine Aussage lässt sich nicht machen. Die Emanzipation der Frauen, die Industrialisierung und die Weltkriege spielten auf jeden Fall eine große Rolle.

Durch dick und dünn

Das Mieder, also das Korsett aus dem Barock, dass die Damen nutzten, verschwand. Der Körper musste ohne dieses schmerzhafte Hilfsmittel den Normen genügen, die Schönheit versprachen. Ein üppiger Busen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch gerne gesehen, das änderte sich aber schnell.

In den 20er-Jahren gefällt erstmals offenes Haar, das aber nicht weiter als bis zum Kinn reichen sollte und in den typischen großen Wellen einen möglichst kleinen zarten Kopf umspielen sollte. Die Augen sollten groß sein, der Mund voll. Der Mund wurde geschminkt und ließ Damen, die heute gerne mit langen, schmalen Zigarettenhaltern dargestellt werden, zum Ideal der weiblichen Schönheit aufsteigen.

Das eher erzwungene Schönheitsideal aus den Zeiten vor und während des zweiten Weltkrieges ist uns allen bekannt: „arisch“ sollten Mann und besonders Frau sein, also blauäugig und blond. Aber nicht nur das: Der Körperbau, die Stirn, die Wangenknochen, die Nasen - alles wurde vermessen und normiert. Glücklich, wer den vorgeschriebenen perfekten Maßen genügte, unglücklich, wer nicht arisch genug war.

Nach dem Schrecken des Krieges und all den harten Entbehrungen lag - wie es das Spiel der Gegenkräfte in der Geschichte so will - das Ideal bei rundlichen Formen. Wie im Barock erzählten diese ohne Worte, dass Wohlstand vorhanden war. So wurden auch Frauen verehrt, die wie Sophia Loren oder Gina Lollobrigida weibliche Rundungen besaßen. Allerdings ließen die 50er-Jahre sehr viel Spielraum, vergleicht man diese beiden Damen oder auch die damalige Stilikone Grace Kelly.

Marilyn Monroe ist das Paradebeispiel für die damals erwünschte Weiblichkeit. Ihre Konfektionsgröße 40 bis 42 die heute nicht mehr als erstrebenswert gilt, war damals üblich. Man sieht, wie gekonnt selbst solche Kleidergrößen vorteilhaft wirken können, was damals vielleicht sogar einfacher war, da die Kleiderindustrie mit solchen Bekleidungsgrößen rechnete und nicht alles auf besonders schlanke Frauen bezogen entwarf und fabrizierte.

Was Twiggy, das berühmte britische Model ohne jeglichen sichtbaren Körperfettanteil, mit dem Schönheitsideal anstellte- als die 60er-Jahre anbrachen, ist vorher noch nie in einer so extremen Art und Weise vorgekommen. Das spindeldürre junge Mädchen war nicht mehr nur burschikos, sondern flachbrüstig und knochig. Die schmale Taille, die stark und dunkel betonten Augen, die kurzen Röcke und Hosen wurden zum Sinnbild dieser Zeit. In den 70er-Jahren blieb dieses Ideal noch bestehen, die Haare wurden nur zunehmend voluminöser getragen.

In den 80er-Jahren bestimmten Schulterpölster, starkes Augen-Make-up und gleichzeitig farbenfroher Lippenstift das Frauenbild. Was wir heute als zuviel empfinden, war damals stilvoll.