Was für die Einen beinahe den Lebensinhalt und eine persönliche Philosophie darstellt, lässt so manchen anderen als Mittel zum Zweck mehr oder weniger kalt, und wieder andere haben nicht mehr als ein desinteressiertes Achselzucken übrig, wenn das Thema auf sie kommt: die Mode. Doch was ist Mode überhaupt und wozu brauchen wir sie eigentlich?

Baumwolle: das natürliche Paradebeispiel der chemischen Behandlung

Viel mehr als tatsächlich neue Kleidungsstücke erfunden werden Kombinationen neu kreiert und die Tragmöglichkeiten verschiedenster Schnitte werden auf immer größere Bereiche des Alltags erweitert.

Baumwolle

War es etwa in den 30er-Jahren ein absolutes Tabu, als Frau in Strumpfhosen und einem übergroßen Hemd sich auch nur vor anderen zu zeigen, so wurden die 80er-Jahre geradezu von Strumpfhosen und Leggins dominiert. Was viele Frauen lange Zeit als Jugendsünde am liebsten aus ihrer Erinnerung und vor allem aus den Fotoalben entfernen wollten, erlebt heute ein Comeback.

Zwar werden die Farben meist dezenter gewählt, doch auch in einer pinkfarbenen oder einer knallgrünen Leggings zeigt sich die Dame von heute in der Öffentlichkeit. Nur eben anders kombiniert. Schwere Turnschuhe würden niemandem dazu einfallen. Aber mit Ballerinas oder High Heels stört sich keiner daran.

Neben den Kombinationen der Einzelteile, die anscheinend alle schon einmal da gewesen sind, hat sich aber vor allem das Material verändert.

Baumwolltextilien beispielsweise scheinen auf den ersten Blick nicht viel anders zu sein als früher. Doch der Schein trügt. Wie oft dachte man früher: „Dieser Baumwollpullover sieht toll aus, wäre da nur nicht das lästige Bügeln“. Denn anders als heute musste jedes Kleidungsstück ziemlich schnell nach dem Waschen gebügelt werden, sonst verlor es umgehend seine Form und war somit untragbar. Doch Not macht erfinderisch und führte zur Entwicklung von bügelfreier Baumwolle.

Im Gegensatz zu reiner Baumwolle quellen bei dieser neuen Art, einem Mischgewebe, die Fasern beim Waschen nur wenig auf. Und das wurde durch Bearbeitung der chemischen Struktur des Materials möglich. Cellulose-Moleküle weisen unbehandelt Hohlräume und freie Elektronen auf, durch die Wasser gebunden wird, wenn es mit der Faser in Kontakt kommt. Doch diese Lücken werden durch chemische Prozesse gefüllt, um das Aufquellen im Wasser dauerhaft zu verhindern.

Als positiven Nebeneffekt entwickelt der Baumwollstoff einen edlen Glanz, sowie eine weichere Oberfläche, wodurch sich der Stoff auf der Haut besser anfühlt. Und er trocknet eben schneller, da sich nicht einmal mehr ein Bruchteil der Wassermoleküle festsetzen kann, die den Stoff noch vor einigen Jahrzehnten zu einem Albtraum jeder Hausfrau werden ließen. Wer nie bügeln muss, verdankt das genau dieser Neuerung. Und wahrscheinlich Unmengen an Hausfrauen in der Vergangenheit, die sich beschwerten und die Verkaufszahlen der Baumwoll-Kleidungsindustrie in den Ruin zu treiben drohten. Eventuelle, nach dem Waschen und Trockenen vorhandene kleine Knitterfalten glätten sich inzwischen durch die Körperwärme und Körperfeuchtigkeit wie von alleine.